Vortrag und Diskussion am 29.10. zu Wohnungsnot in Göttingen (19 Uhr, Autonomicum)

*Wohnungsnot in Göttingen !?*

Ursachen und aktuelle Entwicklungen

Steigende Mietpreise, langes Suchen nach einer günstigen Wohnung,
Hausbesetzungen und die öffentliche Diskussion über das ,knappe Gut
Wohnraum‘ machen deutlich: Es wird immer enger auf dem Göttinger
Wohnungsmarkt. Ein Blick auf andere deutsche (Groß-)Städte zeigt jedoch,
dass dieses Problem nicht nur Göttingen betrifft. Egal ob in Hamburg,
Berlin, Köln, Frankfurt, München, Tübingen oder einer der vielen anderen
Städte: Mietpreisexplosionen, vorübergehende Notunterkünfte und
politische Auseinandersetzungen um bezahlbaren Wohnraum sind auf der
Tagesordnung.

Aber wie kommt es zu der aktuellen Verschärfung auf dem Wohnungsmarkt?
Warum wird günstiger Wohnraum immer knapper? Welche politischen
Handlungsalternativen könnte es geben? Diesen Fragen wird Michael
Mießner am Beispiel der aktuellen Entwicklungen auf dem Göttinger
Wohnungsmarkt nachgehen.

/Referent: Michael Mießner/

/Zeit und Ort: 29. Oktober 2013, 19 Uhr, Göttingen, Autonomicum (im
Blauen Turm)/

Gegen Islamophobie, gegen Rassismus, gegen pro Deutschland!

Die rechtspopulistische, islamophobe und rassistische Partei pro Deutschland hat für den 24.08.2013 drei Kundgebungen gegen islamische Kulturzentren und das Rote Zentrum in Göttingen angekündigt. Das Göttinger Bündnis gegen Rechts hat eine Gegendemo angemeldet und einen Aufruf verfasst. Das PoliKollektiv ruft auf, sich den Nationalisten und Rechtspopulisten von pro Deutschland entschieden in den Weg zu stellen!
Darum kommt am 24.08.2013 um 9 Uhr in die Güterbahnhofstraße!

Aufruf des Göttinger Bündnisses gegen Rechts
Göttingen Nazifrei – Gegen Nazis und Rassisten!
„pro Deutschland“ stoppen!

Am Samstag, den 24.August 2013, will die rassistische Partei „pro Deutschland“ Kundgebungen vor den Islamischen Kulturzentren in der Göttinger Güterbahnhofsstraße und in der Annastraße / Arndtstraße sowie vor dem Roten Zentrum in der Langen-Geismarstraße durchführen. Bundesweit will „pro Deutschland“ unter dem Motto „Zuwanderung stoppen – Islamisierung verhindern!“ Kundgebungen in über 40 Städten durchführen und ihre Hetze gegen Jüdinnen und Juden, Musliminnen und Muslime und geflüchtete Menschen verbreiten.
Die „pro“-Bewegung setzt als rechtspopulistische Partei seit Jahren auf einen kulturalistischen, islamfeindlichen Rassismus. Besonders mit populistischen Provokationen vor islamischen Kultureinrichtungen und Moscheen versucht sie ein absurdes Bild von „Islamisierung“ aber auch antisemitische Verschwörungstheorien zu verbreiten. Damit generiert sie ein fremdenfeindliches Bild, bei dem alle, die nicht ihrem engen Weltbild entsprechen, ausgegrenzt werden sollen.
Gegen die menschenverachtende, antisemitische und islamfeindliche Propaganda setzen wir unsere Vorstellungen einer toleranten und sozial gerechten Welt. Es gilt nicht nur, sich „pro Deutschland“ entschlossen entgegen zu stellen, sondern sich jedem rechtspopulistischen, rassistischen und nationalistischen Denken zu widersetzen – egal wo und wie es sich zeigt. Denn ihre Hetze baut auf verbreiteten Vorurteilen und rassistischen Strukturen auf. So ist etwa eine sich immer weiter verschärfende Abschiebepraxis Wasser auf die Mühlen der Rassisten. Sie knüpft nahtlos an deren ausländerfeindliche Politikvorstellungen an. Nationalismus und Rassismus entstehen aus der Mitte der Gesellschaft heraus, Neonazis und Rassisten sind ihr sichtbarster und brutalster Ausdruck. Wir werden es nicht zulassen, dass diese Rassisten Bürgerinnen und Bürger, unsere muslimischen FreundInnen, KollegInnen und NachbarInnen verhöhnen, ausgrenzen oder bedrohen können!
In der Vergangenheit ist es durch die Arbeit unseres Bündnisses und durch die Entschlossenheit der vielen antifaschistischen Bürgerinnen und Bürger Göttingens gelungen Aufmärsche der NPD und der neonazistischen Kameradschaften zu stoppen. Wir fordern alle Menschen auf sich mit ihren Mitteln und Protestformen an den Aktivitäten gegen die Kundgebungen der Rassisten zu beteiligen um ihn möglichst schon im Vorfeld zu verhindern. Lassen wir es nicht zu dass die Nazis ungestört ihre menschenverachtende Propaganda verbreiten können.
Bündnis gegen Rechts Göttingen

UnterstützerInnen:

AStA der Uni Göttingen, DITIB Türkisch-Islamische-Gemeinde zu Göttingen, OV die Linke Dransfeld, Yxk – Verband der Studierenden aus Kurdistan, Basisgruppe Medizin, Die Grünen Göttingen, DKP Kreisverband Göttingen, Fachschaftsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Grüne Hochschulgruppe Göttingen, PolitKollektiv, IGM-Jugend, Juso-Stadtverband Göttingen, NaturFreunde Göttingen, Juso-Unterbezirk Göttingen, Juso-Hochschulgruppe Göttingen, Schöner Leben Göttingen, Antifaschistische Linke International A.L.I., GRÜNE JUGEND Göttingen, Sozialistische Deutsche ArbeiterJugend (SDAJ) Göttingen, Attac Göttingen, DGB Region Südniedersachsen-Harz, Kampagne „Alles muss man selber machen“, Ver.di Göttingen, DGB Jugend Göttingen, die Linke Göttingen, OV die Linke Göttingen, Grüne Hilfe e.V., Piratenpartei KV Göttingen, Piratenpartei Landesverband Niedersachsen, Dr. M. K. Ramaswamy, Annette Ramaswamy, Solid Göttingen, VVN-BdA KV Göttingen, Basisgruppe Geschichte, Integrationsrat Göttingen, ver.di Jugend Göttingen, Basisgruppe Germanistik
Der Göttinger SPD-Stadtverband ruft mit einer eigenen Erklärung zu den protesten gegen pro Deutschland auf.

Redebeitrag des PolitKollektivs — Aus gegebenem Anlass. Gegen Kapitalismus, gegen Rassismus. Immer.

Scheint zunächst doch alles ganz gut: Wir bekommen unser Essen, wenigstens einen Grundstock an Bildung, können ab und an mal in den Urlaub fahren, haben ein Dach über dem Kopf und leben recht sicher. Zumindest gilt das für die allermeisten von uns. Viele haben sogar ein IPhone, können es sich leisten ins Fitness-Studio zu gehen und haben dank Job oder anderen finanziellen Quellen ein ganz gutes Auskommen. Am Wochenende oder nach Arbeit oder Uni gehen wir feiern, nehmen Drogen, gucken Serien oder Filme und hören Musik. Eigentlich, so könnte man sagen, geht es zumindest vielen von uns im Kapitalismus doch ganz gut.
Doch diese Darstellung des alltäglichen Lebens kratz höchstens an der Oberfläche. Denn abseits von diesem vermeintlich recht schönen Leben müssen wir einiges in Kauf nehmen. Wenn wir nicht gerade Freizeit haben opfern wir unsere Lebenszeit in der Lohnarbeit oder müssen Kram auswendig lernen um die nächste Klausur zu bestehen. Grundsätzlich tun wir nicht das, was uns Spaß macht oder wir sinnvoll finden, sondern das, wofür wir Geld bekommen. Sei es unmittelbar in der Lohnarbeit oder mittelbar durch ein erfolgreiches Regelzeitstudium mit Ausblick auf einen Job.
Denn das kapitalistische System erzeugt den Zwang, nach größtmöglichem Profit zu streben. Es zählt, am Markt zu bestehen, an dem alle Menschen in Konkurrenz zueinander stehen. Dabei überleben und gewinnen die am Markt, die zu immer kleineren Kosten zu möglichst hohem Wert verkaufen können. Letztlich richten sich durch diesen Zwang in der Konkurrenz tendenziell alles Handeln und alle Institutionen daran aus, am Markt zu bestehen. Das Credo des maximalen Profits durchdringt in der Folge immer mehr alle Lebensbereiche:

  • Im Job in Form eines immer krasseren Leistungsdrucks, der perfiderweise nicht nur von außen auf die Arbeitenden wirkt, sondern, von ihnen verinnerlicht, sie von selbst erfasst. Wer in diesem immer schnelleren Rennen ohne Pause nicht besteht, rutscht in die Arbeitslosigkeit, wo Hartz-4-Bezieherlnnen aus kapitalistischer Sicht keinen Wert erzeugen, weil sie ja nicht produzieren. Daran schließt auch die Hetze gegen sogenannte „Sozialschmarotzer‘ mit all den folgenden menschenverachtenden politischen Forderungen alltäglich an.
  • An der Uni, wo Bologna und Regelzeitstudium Studierende von vornherein auf ein effizientes und flexibles Lohnarbeitsleben trimmen. Engagement neben dem Studium passiert dabei tendenziell nicht mehr aus Spaß an der Freude oder sozialer Motivation, sondern um mit einem aufpolierten und engagierten Lebenslauf einen schnellen und erfolgreichen Start in die unmittelbare wirtschaftliche Verwertung zu finden.
  • Genauso bereits in der Schule, wo Turboabitur und Noten die Zeit bis zum Eintritt ins Erwerbsleben verkürzen und darauf drängen, das eigene Handeln an fremdbestimmten Richtlinien auszurichten.

Dieses System beherrscht uns. Natürlich zuerst mal in der Arbeit, wo wir unsere Lebenszeit verschachern und sie unter die Herrschaft anderer stellen. Hier werden wir gestresst, unterdrückt, drangsaliert und ausgebeutet. Manche Menschen sind schon so verblendend, dass sie diese Arbeit lieben, nur um etwas später zu bemerken, dass sie durch Stress und Burnout zugrunde gehen. Aber viel grundlegender beherrscht der Kapitalismus unser ich – wir werden zugerichtet für eine Gesellschaft die auf Tausch, Konkurrenz und Unterdrückung aufbaut. Wir optimieren uns selbst, vergessen unsere Bedürfnisse, suchen Vergnügen statt Glück, Ablenkung statt Erfüllung, lernen, studieren, arbeiten und alles für Ziele die wir nicht beeinflussen, in Umfeldern, die wir nicht selbst bestimmen können. Ständig haben wir dabei das Gefühl nicht genug gemacht zu haben, doch zu viel Urlaub zu machen, zu viel feiern zu gehen – wir könnten mehr tun. Egal ob Politik oder Familie, alle äußern diese Leistungsansprüche, denn wir müssen ja am Markt um den besten Platz kämpfen – dies ist ein notwendiges, aber falsches Bewusstsein.
Der Kapitalismus ist ein menschenfeindliches System. Es raubt uns unsere Lebenszeit, zwingt uns, uns zu verkaufen und uns in Konkurrenz zu unseren Mitmenschen zu verstehen. Der Kapitalismus führt zu Vereinzelung und Entfremdung, mündet für viele in Depression und produziert und fördert Egoismus und das schlechteste im Menschen. Er macht Menschen und Umwelt kaputt. Denn es zählt nicht der Mensch, es zählen nicht Bedürfnisse und Wünsche, sondern es zählt einzig wirtschaftlicher Profit.
Das ist nicht die Welt, das ist nicht die Gesellschaft in der wir leben wollen. Wir wollen Bedürfnisse befriedigen, nicht Bedürfnisse erschaffen. Wir wollen Kooperation statt Konkurrenz. Wir wollen befriedigende Tätigkeiten und nicht Lohnsklaverei und Diebstahl unserer Lebenszeit. Wir wollen keine Produkte, die darauf programmiert sind, bald kaputtzugehen, damit wir neue kaufen müssen. Wir wollen Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften und nicht Image Green-washing und Umweltzerstörung.
Wir wollen für Bedürfnisse produzieren und nicht für den Gewinn; wir wollen ein gutes Leben, fernab von Stress, Konkurrenz und Leistungszwang.

Wir wollen keinen Kapitalismus, denn wir wollen das schöne Leben. Für alle!

Veranstaltung bei der OpenUni: Studentische Wohnungsnot damals und heute

Vom 23.-25. November findet wieder die OpenUni im Verfügungsgebäude (VG) statt. Da sind natürlich auch wir dabei, unter anderem mit einer spannenden Veranstaltung zur Besetzung der Augenklinik (heutige Psychologie) vor einigen Jahrzehnten:

Vor gut 30 Jahren gab es in Göttingen zuwenig billigen Wohnraum für Studentinnen und Studenten. Gleichzeitig stand das ehemalige Klinikum leer und zerfiel, weil Nachnutzungs-Konzepte fehlten.
In dieser Situation haben rund 1000 Studentinnen und Studenten die ehemalige Augenklinik besetzt und sind dort eingezogen. Dies war der Beginn einer wochenlangen Auseinandersetzung um günstigen Wohnraum in Göttingen. Im Ergebnis wurden auf dem ehemaligen Kliniksgelände günstige Studierendenwohnungen eingerichtet.
Einer der Wohnraumbesetzer, der auch selbst in der Augenklinik gewohnt hat, ist heute der Landesvorsitzender der LINKEN und sitzt für sie im Landtag: Dr. Manfred Sohn. Er wird uns über die damalige Besetzerbewegung informieren und für einen Abend zur Verfügung stehen.

Freitag 18 Uhr, Raum wird noch bekannt gegeben.

Vernetzungstreffen Bildungsprotest

Poster Vernetzungstreffen